Was ist Visionssuche?

 

WaldZeit-Visionssuche - in der Tradition der mitteleuropäischen Überlieferung in Mythen und Märchen

Wie die Heldinnen und Helden unserer Märchen 4 Tage alleine im Wald verbringen.

Was passiert, wenn wir für eine Auszeit in der Natur von unseren Gewohnheiten ablassen, von unserem Selbstbild, ja sogar von unseren Fragen? Die großen Fragen nach Entfaltung, Sinn, Orientierung, Berufung, Beziehung - sie sind der Anlass der Reise in den Wald und darum unerlässlich wichtig. So war es schon bei den jungen Frauen und Männern in unseren Märchen, die die Reise in den Wald angetreten haben (siehe dazu Ursulas neuestes Buch "Im Land der Seele" - die Grimmschen Märchen nach der ursprünglichen Initiationsstruktur neu verfasst). Mit der Frage nach einem erfüllten erwachsenen Leben sind sie alle aufgebrochen. Dann hat sie aber der Wald verschluckt, der Wolf, der tiefe Brunnen, die Alte im Wald. Die symbolische Aussage: Bei der Visionssuche bist du eingeladen, dir selbst und der Natur, ihren Wesen, dem Wind, dem Sternenhimmel so innig zu begegnen, dass du deine eigenen Fragen für einen Moment vergisst. Wenn dich dieser Zauber des Dich-Vergessens, des Ablassens-von-dir-Selbst einhüllt, verschiebt sich deine Perspektive auf das Leben und Sterben. Alles wird kostbar wie Gold - die Freuden und Erfolge ebenso wie die Niederlagen und die Wünsche. Das ist der Schatz, mit dem die Märchengestalten in die Alltagswelt zurück kehren. In moderner Sprache nannte Vktor E.Frankl diese Erfahrung "Seinsgewissheit". Sie ist der Kern der Gesundung von Seinsverunsicherung, von Abgetrenntheit, von Zerrissenheit. Der Boden eines neuen Vertrauens in den Gang der Welt, das eigene Schicksal, der eigenen Intuition. Zurück gekehrt ins Leben entfalten sich die Antworten auf die großen Ausgangsfragen dann auf wundersame Weise ganz von allein.

Die Visionssuche dauert insgesamt 12 Tage. Nach einer intensiven Vorbereitungszeit folgen vier Tage und vier Nächte alleine in die Natur. Die Tage der Nachbereitung bereiten die Rückkehr in den Alltag vor.

 

Unser transformation in natura® - Ansatz in der Visionssuche

Unsere Form der Visionssuche ist kein indianisches Ritual. Wir verstehen sie auch nicht als ritueller Rahmen für Biographiearbeit mit Schwerpunkt auf Persönlichkeitsentwicklung. Das Anknüpfen an unsere europäische Überlieferung ist uns ein zentrales Anliegen, denn dadurch gewinnt das Ritual an Tiefe. Die Symbolbilder in unseren Märchen zeigen nämlich, dass Initiationsrituale in ein erfülltes Erwachsensein auch von unseren indigenen Vorfahren praktiziert wurden. Die an die eigene mitteleuropäische Natur angebundenen Symbolbilder weisen uns auch heute noch den Weg: Im äußeren führen sie uns in den Wald, in die unbekannte, tiefe, wilde Zone unserer Seele. Wenn die Teilnehmenden je alleine für 4 Tage und Nächte aufbrechen, werden sie wirklich vom Wald verschluckt und entschwinden unseren Augen. Im Inneren führen die Symbolbilder die Teilnehmenden auf eine Reise des Sterbens und der Wiedergeburt, deren Kern das "Wachen im Schlafe" ist - Dörnröschen schläft hundert Jahr, Schneewittchen liegt im Glassarg, Rotkäppchen im Wolfsbauch. Nur wer die Innensicht des Lebens schaut (das ist die Grundbedeutung des Begriffs Vision) - da wo man selbst nichts mehr tun kann, sondern das "Ich-werde-Getan-Geführt-Getragen-Geträumt" erfährt -, der kann ablassen von einer selbstbezogenen Seinsverkrampfung, die die Hauptursache für körperliche und seelische Krankheit und Unzufriedenheit  ist. Sowohl in der Vorbereitungs- wie auch in der Nachbereitungszeit inspirieren uns die (von ihren herrschaftlichen Verzerrungen befreiten) Märchenbilder.

Unsere Art der Visionssuche basiert auf der Struktur von Wandel, die den Gesetzmäßigkeiten der Jahreszeiten folgt: Was erneuert werden soll, muss zuerst losgelassen werden und sterben. Dieser Vorgang lässt sich im Modell des Lebenskompasses, unserem europäischen Lebensrad, sehr einfach darstellen: Was bisher gelebt wurde (Sommer), gelangt in eine Phase des Abschieds und der Auflösung (Herbst), und tritt dann ein in eine Phase der Ruhe und Leere, des Brütens und der Wandlung im Verborgenen (Winter). Erst dann und daraus entsteht Neues, Erweitertes und Umfänglicheres (Frühling).

In unserem transformation in natura® - Ansatz richten wir die Visionssuche sehr genau an diesen Qualitäten der Jahreszeiten aus, sowohl mit Blick auf die Begleitung der Teilnehmenden wie auch unsere innere Haltung als Leitende. In der Herbstphase des rituellen Wandlungsprozesses (Vorbereitungtage) verstehen wir uns als "Sterbebegleitung" - das Selbstbild der Teilnehmenden darf sterben. Während der (Winter-)Schwellenzeit, wenn die Teilnehmenden vier Tage und Nächte alleine in der Natur verbringen, sind wir Hütende der verschiedenen (Erfahrungs-)Welten, und während der Frühlingsphase der Visionssuche (Integrationsphase) dienen wir als Hebammen des neuen Selbstbildes, das durch erste Formulierung an Gestalt gewinnt. Unser Ansatz, unser Verständnis von Visionssuche und unserer Rolle als Leitende sind im Buch "Das Wissen vom Wandel", ergänzt durch viele ergreifende Visionssucheberichte, ausführlich dargelegt.

Das Wichtigste für uns ist die Verschiebung, die sich allein durch das Verweilen in unseren heimischen Wäldern einstellt - vom eingeengten Blick auf sich selbst zu einem Eingenommensein in einen größeren Zusammenhang. Das ist allein durch den Wald als "größeren Organismus", der den Menschen in sich "verschluckt", gegeben. Deswegen nennen wir unsere Visionssuche gerne WaldZeit. Zeit im Wald, Zeit zum Verweilen im Wald, Zeit, dass der Wald mit dir verweilt...

 

Der Ablauf - Die drei Phasen der Visionssuche

Die Ablösung: Die intensive Vorbereitungszeit umfasst vier Tage. Wir verlangsamen das Tempo, lassen den Alltag und alte Gewohnheiten (in Handlungen und im Denken) hinter uns, richten die Aufmerksamkeit nach Innen, gehen in Kontakt mit den Wesen der Natur und lernen die Sprache der Symbolik. Das Fasten wird vorbereitet und das Sicherheitssystem erklärt. Mit vorbereitenden Naturgängen verbringst du bereits viel Zeit alleine in der Natur.

Die Schwellenzeit: Der Kern der Visionssuche sind die vier Tage und vier Nächte, die du alleine und fastend, nur mit Wasser und dem Nötigsten ausgerüstet, in der Natur verbringst. Zeit, um leer zu werden, mit der Natur ins Gespräch zu kommen, vom Sturm zu lernen und in die Sterne zu schauen, dir im Spiegel der Natur selbst zu begegnen und Antworten in der Tiefe der eigenen Seelenweisheit zu finden. In dieser „Leerzeit“ kann sich Aufregendes, Zauberhaftes ebenso wie Langweiliges und Unspektakuläres ereignen, das fast nicht erwähnenswert erscheint. Und immer mehr wird das Sein  wesentlicher als das Tun. Niemand kann voraussehen, was in dieser Zeit der Stille passiert - im besten Fall hörst du auf zu wissen, zu wollen, zu tun, und erfährst  die Leere als Lehre. Das Leitungsteam steht im Basislager jederzeit zur Verfügung.

Die Integration: Nach der Rückkehr werden die Geschichten in ritualisierter Runde erzählt, gewürdigt und gespiegelt. Erst da bekommen die Erfahrungen ein Gesicht, formen sich die Eindrücke in Klarheit, werden selbst banale Erlebnisse sinnstiftend. Zur Integration gehören auch die Vorbereitung auf die Rückkehr nach Hause und das Wissen um Freuden und Fallen auf dem nun anstehenden Wegstück. Auch für diese Etappe halten die Märchen einige Weisheiten und Hinweise bereit.

 

Neu: Vertiefung der Visionssucheerfahrung durch Kombination mit der "Jahresreise"

Die Visionssuche ist eine prägende Erfahrung, die von alleine in den Alltag hineinwirkt. Dennoch wissen wir aus eigener Erfahrung, dass es zu mehr Bewusstheit und erweitertem Handlungsspielraum führt, wenn die Erkenntnisse aus der Visionssuche mit den rituellen Mitteln der Visionssuche (Naturgänge, Naturrituale) in den Alltag gebracht werden. Darum bieten wir die Jahresreise an: 4 Seminare im Verlauf der Jahreszeiten, in denen die Erfarhungen der Visionssuche durch die Qualitäten, aber auch die Herausforderungen der vier Jahreszeiten getragen werden. Auf diese Weise bekommt die Visionssuche "Boden", der Alltag wird zunehmend "seelentauglicher", die turbulenten Zeiten werden durch Einzelcoaching und Gruppenrituale unterstützt und begleitet und für das neue Leben fruchtbar gemacht. Das darf dann auch gefeiert werden! Mehr Infos zur Jahresreise