Lebenskompass

 

Der Lebenskompass – ein europäisches Lebensradmodell

Der Lebenskompass ist eine geistige Landkarte über die Gesetzmäßigkeiten von Lebensprozessen und bildet die Grundlage unseres transformation in natura® - Ansatzes.

Jede Kultur bedient sich geistiger Anschauungsmodelle, um Orientierung über die eigenen Werte und damit Ausrichtung für das Handeln in der Welt zu gewinnen. Modelle, die in Form eines Kreises gezeichnet sind, basieren in der Regel auf altem Wissen und der Beobachtung der Zyklen in der Natur. Tagesverlauf, Jahresverlauf, Mondverlauf, Planetenverläufe - alles, was lebt, bewegt sich in Kreisen. Das lineare Denken von Ursache zu Wirkung, von Anfang zu Ende, von primitiv zu fortschrittlich ist geschichtlich eher jung und stark verknüpft mit einem trennenden und wertenden Herrschaftsdenken. Dieses Fortschrittsdenken von „immer mehr und immer schneller“ ist uns mittlerweile zum Verhängnis geworden. Wer heute sein Handeln in der Welt ändern will, muss also auch sein geistiges Bezugsmodell ändern. Die alten zyklischen Naturmodelle, wie wir sie in vielen Kulturen finden, scheinen hier wertvolle Landkarten zu sein. Denn sie besagen, dass alles, was wächst, auch wieder vergeht und ruhen soll. Leben, das sich so verhält, ist in einem tiefen und zyklischen Sinn nachhaltig und ganzheitlich.

Auch unsere europäische Kultur überliefert ein zyklisches Lebensmodell. Gelegentlich spricht man vom „keltischen Lebensrad“. Allerdings gibt es in Europa keine solche durchgehende und einheitliche Überlieferung von unseren keltischen oder sogar vorkeltischen Vorfahren - zu gravierend sind die Brüche und herrschaftlichen Umwertungen. Jedoch finden sich viele Fragmente der alten zyklischen Lebensanschauung noch in Sagen, Bräuchen und Märchen.

 

 

Ursula Seghezzi hat in jahrelanger Forschung viele Fragmente zusammengetragen und unter kulturhistorisch kritischer Betrachtung die symbolischen Bilder zu einem Radmodell zusammengefügt (Band 1 „Macht Geschichte Sinn“, 2011). Dabei ging es ihr nicht um die Rekonstruktion des „alten europäischen Lebensrades“. Unter Einbezug der Lebenssituation moderner Menschen und des heutigen individuellen Bewusstseins mit der daraus entstehenden Anforderung zu persönlicher Entfaltung formulierte sie ein modernes Lebensradmodell (Band 2 „Kompass des Lebens“, 2012). Mit dieser geistigen Landkarte können sowohl Entfaltungs-, wie auch Transformationsprozesse beschrieben werden. Aus der Beobachtung der zyklischen Bewegung der Natur und der Analyse unserer Hausmärchen hat Ursula Seghezzi sehr präzise die Stationen von wirksamen Transformation sreisen herausgearbeitet und anschaulich dargelegt (Band 3 „Das Wissen vom Wandel“, 2013).

 

Weil der Lebenskompass...

  • auf der Natur basiert, ist er sehr einfach verständlich.

  • zur Beschreibung der Qualitäten die europäischen symbolischen Bilder benutzt, bewirkt er ein „Gefühl von Heimkommen“, wie viele Teilnehmende unserer Seminare und LeserInnen berichten.

  • vielschichtig ist, hört das Forschen und tiefgründige Erkunden von Lebensprozessen nie auf!

 

In unserer transformation in natura® - Arbeit benutzen wir folgende Variationen des Lebenskompasses:

  • Das Rad der Lebensphasen und Reifeschritte

  • Das Rad der Transformation

  • Das Rad der Balance

  • Rad der Seelengemeinschaft

  • Das Rad der Paarbeziehung

 

Wenn wir die Lebensphasen in den Lebenskompass legen, entspricht der Frühling der Kindheit, der Sommer dem Erwachsenenalter, der Herbst dem Alter und der Winter jener Zone, wohin wir nach dem Sterben gehen und aus der wir geboren werden. Unsere Vorfahren nannten sie schlicht „das Jenseits“, das „Reich der Hel“ oder „Frau Holles Land“. Erst später wurde aus diesem hellen Seelenland die böse Hölle. Aus dieser Anordnung ergeben sich vier gesetzmäßig stattfindende Lebensübergänge, deren Reifeschritte wir zu meistern haben: die Geburt (1. Februar), die Pubertät (1. Mai), die Jahre des Wechsels (1. August) und das Sterben (1. November). Die Kenntnis des Lebenskompasses hilft, die Aufgaben der entsprechenden Lebensphasen und der jeweiligen Übergänge zu kennen und dadurch bewusster gestalten und meistern zu können.

 

 

Das zentrale Rad für unsere Arbeit ist das Rad der Transformation. Mit dieser geistigen Landkarte können wir wirksame Transformationsprozesse beschreiben und gestalten. Die Stationen dieser Reise tauchen in den mitteleuropäischen Märchen (und in den Heldenreisen aller Mythen dieser Welt!) auf. Denn diese Erzählungen beschreiben die Initiationsreisen von jungen Männern und Frauen. Früher wurde der Lebensübergang vom Kind zum Erwachsenen rituell gestaltet. Die Pubertät ist also der „Prototyp von Transformation“: Nicht nur die Stellung in der Gesellschaft wechselt, es ändert sich auch das Bewusstsein über sich selbst und die Welt. Die Initiationsrituale gingen in Europa längst verloren, aber das Wissen um die Stationen ist in unseren Hausmärchen noch verschlüsselt enthalten. Ursula hat sie kulturhistorisch kritisch analysiert und für die heutigen Transformationsprozesse fruchtbar gemacht. Die Hauptaussage ist: Transformation führt immer in unbekannte Zonen (in den Märchen der Wald), tut immer weh (stellt dich vor Prüfungen), zwingt zur Hingabe der eigene Vorstellungen (was sich wie sterben anfühlt), beschenkt im Glücksfall mit der Erfahrung, alleine durch SEIN zum Leben dazuzugehören (was mit Worten nicht zu beschreiben ist), zeigt dadurch tiefe Einsichten und Visionen auf (was ein Schatz ist, den wir anfangs meist nicht verstehen) und lädt ein, das alles, was wir selbst noch nicht fassen können, in die Welt zu tragen (wodurch wir erneut in Turbulenzen geraten, diesmal in Turbulenzen mit der alten, alltäglichen Welt).

Wer dieses Abenteuer durch äußere und innere Zonen gewinnbringend meistern und damit der Welt dienen will, braucht kundige Begleitung und Kenntnis über die Herausforderungen der einzelnen Etappen.

Transformation ist keine Tat, es ist eine Reise. Wir können sie freiwillig antreten oder werden vom Schicksal getreten. Persönlich wie kollektiv. Solange wir noch halbwegs freiwillig reisen können, sind wir aufgefordert, dies auch zu tun. Der Lebenskompass kann auf dieser Reise als Landkarte dienen - reisen muss jedoch jeder von uns selbst. Wer bereits vorher in die Seelenreisen der Märchengestalten eintauchen will, kann sich von Ursulas neuest Buch "Im Land der Seele" inspirieren lassen. Sie verfasste 19 Grimmsche Märchen nach der ursprünglichen Initiationsstruktur neu und führt die Lesenden damit dorthin, wo das Geheimnis des Lebens wohnt - in den tiefen Wald, die innerste Kammer, den gläsernen Sarg, den Grund des Brunnens...