Im Frühlings-Naturritual sind wir dem Corona-Virus begegnet...

Im Frühlings-Naturritual sind wir dem Corona-Virus begegnet...

In ungewöhnlichen Zeiten, wenn der gewohnte Alltag unterbrochen ist, entstehen nicht nur Irritationen, sondern es tun sich auch Räume auf, um sich lang gehegte Wünsche zu erfüllen. Einer davon ist die Einrichtung eines Blogs auf unserer Website, wo wir Gedanken, Naturerfahrungen und rituelle Experimente als Inspirationsquelle zeitnaher und ausführlicher als im Newsletter teilen können.

Gerne teilen wir also auf diese Weise unsere Gedanken zur aktuellen Situation, in die wir mit Haut und Haar selbst eingefangen sind. Wir bewegen uns wie viele zwischen genussvoller Reduktion, Ruhe und Überforderung. Die Überforderung speist sich aus zweierlei Quellen. Zum einen treiben uns die finanziellen Sorgen um, die Selbständige in dieser Zeit plagen, wenn plötzlich alle geplanten Seminare und Aufträge abgesagt werden und jene später im Jahr ungewiss sind. Vieles muss neu bewertet und neu organisiert werden, bis hin zur Kurzarbeit der Mitarbeiter*innen. Und gleichzeitig sind wir von innen her überwältigt von unseren vielen kreativen Anfällen. Das ist eine «positive Überforderung». Wir loten in aller denkerischer Offenheit aus, warum zur Zeit genau das geschieht, was jetzt geschieht und wie wir unsere spezielle naturmystischen Perspektive auf das Ganze ermutigend zur Verfügung stellen können. Während wir also «ganz normal» mit der Neuausrichtung unseres Familienalltags und Betriebes beschäftigt sind, beflügelt uns der «Blick von oben» enorm. Denn im «Herunterfahren des Gewohnten» ist die Bewusstheit darüber leichter zugänglich als mitten im gewohnten Trott: dass wirkliche Veränderung wirklich möglich ist!

 

Die Innensicht des Virus

Wir wollen von einem Experiment berichten, auf das wir uns im Zusammenhang unseres etwas vorgezogenen Frühlings-Rituals am 8. März eingelassen hatten. Wir sind eine Gruppe von acht Erwachsenen und zwei Kindern und feiern seit Jahren die acht Jahreszeitenrituale in mythodramatischer Gestaltung. Das bedeutet, dass eine mythologische Gestalt in Szene gesetzt wird und mit uns interagiert – sie verkörpert eine Kraft in der Natur. In unserem Frühlingritual stand zum Beispiel die mythologische Gestalt der Artemis für die Frühlingskraft selbst. In ihrer Mythe hütet Artemis alles Junge und alle wilden Tiere, und das wild-neu aufstrebende Leben steht unter ihrem Schutz.

Im Ritual schlüpfte ich also in die Gestalt der Artemis, bewegte ich mich durch den Wald und ging auf die Ritualgruppe zu. Nah genug, warf Artemis einer Person einen kleinen bunten Stoffball zu. In der Geste lag die Tatsache, dass zu der diesjährigen Frühlingskraft auch der Virus gehört. Die Reaktion war «typisch menschlich» - jede*r versuchte, den Ball sofort loszuwerden, indem er den anderen zugeworfen wurde... Artemis gemahnte im Davonschreiten, dass wir Menschen den Ball besser annehmen sollten, um die Botschaft des Virus zu verstehen.

Also hielten wir nacheinander den symbolischen Virus-Ball lang und annehmend in den Händen und versenkten uns dann in eine Natur-Meditation. Wir nennen diesen Vorgang «swumen» (ein Kunstwort), was bedeutet: sich so intensiv in ein anderes Wesen einfühlen, dass man Empfindungen und Wahrnehmungen hat, die die rein menschlichen Wahrnehmungen übersteigen. Das gelingt mal schlechter, mal besser. Aber auf jeden Fall ermöglicht dieses «Swumen» ein tiefes, wertfreies und unvoreingenommenes Einlassen auf das andere Wesen. Bei Viren ist das besonders schwierig, weil sie ja im strengen Sinn keine Lebewesen mit Zellkern etc. sind, was uns Menschen ja noch nahe wäre. Umso erstaunlicher waren die Wahrnehmungen. Im Austausch nach dem Ritual ergab sich folgendes Bild, das unsere Sichtweise zum Thema Corona-Virus sehr erweiterte – und natürlich sind darin bereits unsere Interpretationen mit eingeschlossen. Ich darf die Wahrnehmungen unserer Gruppe dankenswerterweise kommentarlos so weitergeben, wie sie von den einzelnen Personen selbst beschrieben wurden:

 

«Für mich hatte das Virus etwas sehr Weites und Großes. Es war grün und beim Hineinfühlen war meine linke Hand stark mit der Erde verbunden. Das Virus folgt nur seiner eigenen Bestimmung - nichts von außen kann Einfluss darauf nehmen.»

«Mein Viruskontakt war lebendig, anregend und so wie "dottzende" (~ hüpfende) rote kleine Bällchen / Billardkugeln; die sich gegenseitig anstossen und das als großes lustiges lebendiges Spiel betrachten/leben; die hatten Spaß und strotzten vor Lebensfreude und Lebenskraft und freuten sich über die Ausbreitung; auch weil wir Menschen so langweilig sind/waren und wir mal so ein bißchen Bewegung gut gebrauchen können, bzw. uns wieder klar wird, was für ein tolles lebendiges lustiges Spiel dieses Leben ist.....; und so dotzen die Viren uns an, damit wir mitspielen (wie Kinder die andere zum Mitspielen und zur Lebensfreude animieren).»

«Mein Gefühl war: Ich will (als Einzelnes) dazu gehören. Und in der Masse (wie eine große Rinderherde in Bewegung) bin ich mächtig im Überrollen.»

«Für mich war es eher vor allem ein Wahrnehmen der Information, dass das Virus das Thema Öffnung, ein Sich-Öffnen mitbringt oder auch einfordert, es verlangt von den Menschen das Füreinander- und Miteinander-Sein in Verbundenheit. Und da war noch der Satz da: Es ist alles mit allem verbunden / alles in allem enthalten.»

«Mein Gefühl für das Virus war das einer kleinen gefräßigen Raupe, die sich genüsslich reinfrisst ins Leben. Daraufhin kamen wir als wichtigste Gedanken: Ich bin der festen Überzeugung, dass es eine unbewusste – nicht rationale - kollektive Sehnsucht nach diesem „Lock Down“ gibt. Nun hört das Hamsterrad tatsächlich auf, sich zu drehen. Die Maschine steht still. Neue Räume öffnen sich: Wir können alle durchatmen, sind nicht mehr abgelenkt, tauschen uns aus, entwickeln Ideen - oder sind einfach nur. Außerdem erfahren wir kollektiv die Begrenztheit des Lebens und unser Eingewoben-Sein ins große Ganze.»

«Ich fühle nicht ein einzelnes Virus, sondern eher ein Virus-Feld. Es zeigt sich mir in Rot und ist ein sehr lebendiges Feld – virulent! Voller Kraft! Das Feld ist vollkommen wertfrei. Es breitet sich aus wie in ein «Loch» hinein, oder anderes: es kann sich nur ausbreiten, wenn anderswo eine «Kuhle» zum Anschmiegen gibt. Das Virus-Feld existiert nämlich nicht aus sich heraus, sondern nur mit einem Wirt / mit der Einladung, bzw. Anziehung eines Wirtes. Vom Virus-Feld geht so etwas wie eine (wertfreie) Liebe zu seinem Wirt aus.»

«Meine Wahrnehmung kann ich vom Virus her so beschreiben. Es rief: «Hey, ihr neugierigen Menschen, es seid ihr, ihr habt uns gerufen! Ihr habt uns eingeladen! Wir freuen uns.» (Mein Gefühl dazu: Freude und Neugierde. Sie sind ja immer da und jetzt meinen wir sie im Besonderen.)»

«Das war ein klares Gefühl: Das Virus ist kein Feind.»

 

Auffällig war die lebendige Kraft, die generell in Viren offensichtlich steckt. Diese Kraft ist neutral, bzw. genauso Teil der großen Lebenskraft wie jede andere Äußerung von Kraft (gefährlich für uns Menschen werden Viren ja nur, wenn unsere eigene Lebenskraft herabgesetzt ist).

Neu, aber durchaus logisch war der Gedanke, dass sich ein Virus nicht «von sich aus» verbreitet, sondern wie «herangezogen» wird von einem Wirt. Daraus folgt die Frage, ob die heutige Menschheit - unbewusst - eine Einladung ausgesprochen hat und das Virus «nur antwortet»... Ob die «Kooperation von Virus und Wirt» ein Ausdruck unserer – kollektiv unbewussten -  Sehnsucht nach Veränderung ist? Das soll jetzt nicht kausal verstanden werden, sondern eher als dynamisches Feld der Interaktion. Das wir Menschen nicht passive Opfer sind, sondern aktiver Part in einem größeren Dialog.

Das sind alles nur Gedankenspielereien, aber die Wirkung auf uns war jedenfalls augenfällig: Wir haben uns nicht länger gegen die Existenz des Virus gewehrt. Wir haben vielmehr damit angefangen, sein Wesen zu würdigen - weil es ein Ausdruck von Lebenskraft und Veränderung ist. So wie wir Menschen. Und die Tiere. Und die Pflanzen. Und die Wolken. Das Leben wäre unvollständig, wenn es die Viren nicht gäbe. Eine demütige Verneigung vor dem Leben, in die uns die Frühlings-Artemis hineingeführt hat!